Der Seitengangsalat

Vom 24.-29.05.2016 fand er statt, unser 4.Kurs bei Manolo Oliva und wieder auf Widum, der wunderschönen Anlage von Andrea und Bruno Auer in Niederbayern.
Es ist so wahnsinnig viel passiert in dieser Woche! Seitengangsalat – ich bin immer noch total begeistert und kann es kaum fassen, wie sehr wir uns weiterentwickeln konnten.
Wie schön es war zu erleben, wie wunderbar Veneroso mitarbeitete und bei mir war.
Es fing schon so gut an, als Manolo feststellte, wie prima sich Veneroso körperlich entwickelt hatte. Und es ging weiter mit Lob:

Dein Sitz, deine Hilfen, deine Konzentration sind so viel besser geworden
Wenn der Reiter sich verbessert verbessert sich auch das Pferd.
You don’t know, how good you and your horse are!

Wirklich erhebend und ergreifend, solche Worte aus dem Munde von Manolo Oliva – ich bin so unendlich stolz auf Veneroso und, ja, auch auf mich. Und hochmotiviert, weiter an uns zu arbeiten.

Rückblick

Nach über 20 Jahren Reitpause begann ich im Herbst 2011 wieder mit der Reiterei, begeistert von der Working Equitation sowie von der klassischen und der iberischen Reitkunst.
Im Juli 2013 kaufte ich mir mein erstes eigenes Pferd, PRE Veneroso und wir begaben uns auf unseren gemeinsamen Weg zu einer harmonischen Einheit.
Mein großer Traum war und ist es, diese Leichtigkeit in der Reiterei zu erlangen, die ich bei meinen Vorbildern erlebe und die mich immer wieder emotional sehr berührt.

Wir hatten keinen einfachen Start – ich als späte Weidereinsteigerin, keine Ahnung von der klassischen Reitkunst (ich kannte nur die englische Reiterei und Ausreiten) und mit 50 Jahren auch nicht mehr ganz taufrisch und Veneroso, ängstlich, scheu und schlecht angeritten.

Doch leidenschaftlich und hoch motiviert verfolge ich seit nun fast 3 Jahren mein Ziel, erlebe Highlights und Tiefschläge und bleibe dran, mit der Unterstützung von phantastischen Trainern, die ich mir ganz bewusst aussuche und die, jeder auf seine Art, zu unserer wunderbaren Entwicklung beitragen und beigetragen haben.
Und in dieser phantastischen Trainingswoche durfte ich erstmals dieses Glück erfahren, dieses wunderbare Gefühl, mit meinem Pferd zu tanzen!

Seitengangsalat

Ich erzählte Manolo, dass ich mein nächstes Turnier in der A-Klasse starten möchte und fragte ihn, ob wir in diesem Kurs dafür trainieren könnten. Ungläubig staunend vernahm ich seinen Kommentar: wir trainieren auf M.
Ich hielt das für einen Scherz, doch dann ging es los:

  • Sidepass, Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale im Schritt, Trab und Galopp
  • Schrittpirouette, Traversale, Schrittpirouette
  • Galopptraversale und halbe Pirouette im Galopp

Renvers

Besonders im Fokus unseres Trainings stand für Manolo das Renvers.
Was für ein Glück, dass wir Renvers vor einigen Monaten bei der Bodenarbeit mit Kathrin Roida sehr intensiv geübt hatten. So hatte ich zumindest mal ein inneres Bild dazu, wie es aussehen sollte!

In der theoretischen Nacharbeitung der Inhalte unseres Kurses ist das neue Buch Working Equitation Advanced von Angelika Graf ungeheuer hilfreich!
Hier findest du unter anderem sehr ausführliche und anschauliche Erläuterungen zu allen Seitengängen, zu ihrer Definition, Bedeutung und zur Hilfengebung.
Außerdem beschreibt Angelika sehr detailliert und verständlich eine Vielzahl von Übungen zum Erlernen und Trainieren der verschiedenen Seitengänge.
So beschreibt sie Renvers:

Das Renvers ist unter den Seitengängen sozusagen der Gegenspieler zum Travers (Kruppeherein). Das bedeutet, dass ein Renvers auf der linken Hand geritten einem Travers auf der rechten Hand entspricht.

Das Pferd ist in die Bewegungsrichtung, in die es sich fortbewegt, gebogen und gestellt. Allerdings zum Bahninneren, was die Konterlektion ausmacht.
Das Renvers wird mit der gleichen Hilfengebung wie ein Travers geritten. Es gehört zu den fortgeschrittenen Konterlektionen und ist eine sehr wertvolle Gymnastik.
Aufgrund der Konterstellung hat es eine stark aufrichtende Wirkung: so setzt es das Pferd sehr gut in den Hanken und ermöglicht ihm, sich in seiner Brust frei zu erheben. Das schenkt den Vorderbeinen einen weit ausgreifenden Raumgriff. Diese Lektion hilft enorm, Balance und Versammlung auf ein höheres Level zu bringen.

Anna Eichinger beschreibt Renvers in ihrem Blogbeitrag: ‚Spieglein, Spieglein: Kruppeherein oder Renvers? so:

Im Renvers bleibt die Hinterhand des Pferdes am Hufschlag, während die Vorhand auf den inneren (dritten oder vierten) Hufschlag geführt wird – daher kann man den Renvers auf gerader Linie geritten – auch als Spiegelbild des Kruppeherein bezeichnen.

Das äußere Hinterbein wird quasi zum neuen inneren Hinterbein. Das neue äußere Hinterbein (im Renvers auf der linken Hand wäre dies dann das linke Hinterbein) soll somit vermehrt zum Schwerpunkt hintreten (vergleiche Kruppeherein).

Traversale und Pirouette

Mit dieser phantastischen Lektion sowie mit Travers bereitete uns Manolo auf die Traversale vor.
Schulterherein, Travers, Renvers, Sidepass (Schenkelweichen) und Traversale wurden zu unserem täglichen Trainingsinhalt. Daraus entwickelten wir die Pirouette im Schritt und Galopp.
Was für ein wunderbares Gefühl, eine Traversale im Galopp zu reiten (auch wenn wir noch nicht da ankamen, wo wir hin wollten). Und wie toll sich eine gelungene Schrittpirouette anfühlt!
Es ist großartig und unfassbar schön: Veneroso und ich sind auf einem guten Weg dahin, miteinander zu tanzen.

Mein Tänzer

Dies ist eine Liebeserklärung an mein Pferd Veneroso: ich bin so dankbar für sein Vertrauen, seine Zuneigung, seinen Mut und seinen Arbeitswillen. Ich bewundere seine Schönheit und seine Eleganz und genieße seine Feinheit und Leichtigkeit sowohl im Umgang als auch unterm Sattel.

Tipps und Hausaufgaben von Manolo

Voller neuer positiver Erfahrungen und mit einem Koffer voller guter Tipps und Hausaufgaben fuhren wir am Sonntag nach 6 phantastischen Trainingstagen wieder nach Hause.
Hier einige Tipps von Manolo:

  • Zwischendurch immer wieder Tempiwechsel! Also nicht immer im gleichen Tempo reiten, sondern nach versammelten Passagen vorwärts reiten, dann das Tempo wieder verlangsamen
  • Eine tolle Übung: auf der Mittellinie viele Schritte gerade rückwärtsrichten – dann vorwärts oder seitwärts im Travers oder Sidepass
  • Traversale: auf den Punkt ankommen üben
  • Galopp-Schrittübergänge üben
  • Im Galopp Schultervor reiten, da Veneroso gerne mit der Kruppe rein kommt
  • Travers und Traversale fällt ihm leicht, von daher gute Voraussetzung für die Traversale
  • Und wenn er mal wieder nervös ist : Ruhe reinbringen, Schrittarbeit, langer Zügel, aber Kontakt zum Pferdemaul, langsam aufnehmen, ganze Bahn, Zirkel
  • Nicht immer dieselbe Übungsabfolge bei Pferden wie Veneroso, da er sich die merkt, sie dann selber machen will und sich aufregt, wenn ich etwas verändere
  • Veneroso immer wieder überraschen und beschäftigen durch Abwechslung

Stimme im Kopf

Ich habe sie im Kopf, Manolo’s Stimme: feel the hindlegs cross – move forward – press the croup…
Und ich fühle es, zum ersten mal fühle ich tatsächlich beim Reiten, wann Veneroso wo steifer ist und ob seine Hinterhand kreuzt oder nicht. Was für eine Erfahrung!

Ich beherzige sie, diese Tipps und freue mich darüber, dass wir tatsächlich auch daheim an all den neu erlernten Lektionen weiterarbeiten können.
Unsere nächste Trainingswoche mit Manolo ist im August, natürlich wieder auf Widum, wo wir uns so wohl fühlen und neben der intensiven Reiterei auch immer einen schönen Urlaub verbringen! Ich bin schon sehr gespannt, was uns erwartet.
Manolo sagte abschließend: Veneroso ist bereit für die Galoppwechsel! Es bleibt spannend und aufregend!

Cover Advanced BB

Buchtipp

Working Equitation Advanced

von Angelika Graf

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4 thoughts on “Der Seitengangsalat

  1. Hallo Claudia,
    was für ein schöner Bericht. Wieder mal. Ich muss mir glatt ein paar Tränen aus den Augen wischen, weil ich eben auch so gut nachvollziehen kann, wie du dich fühlst. Ich kann mir vorstellen, dass du vor Stolz platzen musst nach den Worten von Manolo. 🙂
    Wenn ich lese, wie weit du und dein Veneroso in der relativ kurzen Zeit und euren anfänglichen Problemen gekommen seid, habe ich Hoffnung für mich und meinen Spanier, Rebelde, „nur“ ein Andalusier, aber trotzdem ein Pferd wie ein König. 😉
    Er gehört mir jetzt knapp 1 Jahr und die ersten 5 Monate waren wirklich furchtbar. Ich habe mehr als einmal überlegt, ihn wieder zu verkaufen. Er ist erst 6, spät gelegt, ist angeritten gewesen, aber unverdorben, verspielt, dominant und hat Temperament für 5. Ich, 48, späte Wiedereinsteigerin, noch nicht lange in Berührung mit klassisch-barocker Reitweise (oder überhaupt irgendeiner Reitweise; ich hatte vorher Traber), aber von vornherein mit dem gleichen Ziel wie Du: Leichtigkeit! Bei dem ich mir meistens selber im Weg stehe. 😀
    Für nächstes Jahr habe ich mir auch vorgenommen, ein WE Unterricht bei Manolo zu nehmen. Soweit ich weiß, ist er regelmäßig auch in einem Stall in relativer Nähe von mir (+ – 100 km). Leider sind gute Reitlehrer ansonsten rar gesät in unserer Gegend und ich bin, was das Pferd angeht, nicht mobil (kein Zugfahrzeug, kein Hänger), aber ich hoffe, dass wir trotzdem weiter kommen.
    Ich verfolge deinen Blog schon länger und fühle mich euch vielleicht deswegen auch sehr verbunden, weil du Veneroso bei Nicole Hoff gekauft hast, die 1. auch relativ aus meiner Nähe kommt und bei der ich mir 2. auch mal ein Pferd angeschaut habe.
    Ich bin gespannt auf weitere Berichte von dir und deinem Veneroso.
    Liebe Grüße
    Anke
    P.S. Ich weiß nicht, ob das ok ist, aber ich habe bei Website jetzt einfach mal den link zur FB-Seite meines Pferdes gemacht. Vielleicht hast du ja mal Lust reinzuschnuppern; ich würde mich freuen.

    • Let´s go working!

      Liebe Anke,
      ich freue mich sehr, dass dir mein Beitrag so gut gefällt, danke schön! 🙂
      Und ganz herzlichen Dank für deine kurze Zusammenfassung über eure Geschichte! Ich habe mir deinen Rebelde auf deiner Facebook-Seite angeschaut, er ist wirklich wunderschön!
      Ich höre und lese immer wieder gerne Geschichten über ’späte Wiedereinsteiger‘ und ihre Pferde und wünsche dir und deinem Buben weiterhin einen schönen gemeinsamen Weg zur ‚Leichtigkeit‘!

      Aller Anfang ist oft nicht einfach, aber wenn man die ersten wirklich schwierigen Monate durchhält bekommt man so wahnsinnig viel zurück, stimmt’s?

      Ich erlebe momentan so viele schöne Momente mit Veneroso, habe aber irgendwie eine Schreibblockade, seufz. So müsste ich von unserem Manolo-Kurs vor zwei Wochen, einem Working Equitation-Wochenende mit Mihai Maldea, eine Buchrezession und einen Turnierbericht schreiben, doch es geht gerade nicht so locker von der Hand. Ich habe ziemliche Rückenprobleme und so fällt mir das lange abendliche Sitzen vor dem Rechner sehr schwer. Außerdem ist Sommer!!! 🙂 Aber deine Zeilen motivieren mich und so werde ich mich mal schnell wieder ranmachen.

      Ich drücke dir fest die Daumen, dass du an einem Manolo-Kurs teilnehmen kannst und hoffe, hin und wieder von dir/euch zu hören, lesen! Dank Facebook ja kein Problem! 😉
      Wo lebt ihr denn? Hast du schon einmal auf meine Trainerliste geschaut? Ist da niemand dabei?

      Herzliche Grüße,
      Claudia und Veneroso

  2. Susanne Stölzl

    Liebe Claudia,

    ich darf Sie doch beim Vornamen anschreiben? Immer wieder verfolge ich Ihre Berichte und freue mich darüber, wie sehr Sie sich immer wieder Gedanken um Ihr Pferd machen und das größte Bestreben haben, mit ihm zusammen zu wachsen und als Endziel: Den Tanz zusammen, im Focus haben.

    Ich meine sooooo viele Paralellen zu sehen. Ich selbst bin 52, habe ebenso wie fast alle als Jugendliche die englische Reitweise (Schenkel ran, treiben, Kreuz ran, Hand gegenhalten) gelernt. Allerdings hatte ich dann über 16 Jahre eigene Pferde (Vollblutaraber und Hispanoaraber), die mich lehrten, dass weniger eben mehr ist. Ich kam über 4-5 Jahre Westernreiten zu Bent Branderup, Anja Beran und reite derzeit bei Eva Steinbach in den Olivera Stables. Außerdem bin ich für die Escola 2017 angemeldet, in der Hoffnung, dass mein Pferd dann auch soweit ist.

    Ich habe nämlich auch einen PRE gekauft, der mir mit spannigem Hals und kurz vor Explosion im Schritt vorgeritten wurde. Dummerweise hatte ich mich da schon längst verliebt und wußte, dass ich ganz von vorne anfangen muss. Mein Yesmin lernte erst mal ruhige Arbeit kennen und dass er sich nicht stressen braucht. Allein beim Longieren hat das Monate gebraucht. Erschwerend kommt hinzu, dass Yesmin sich bereits vier Mal massiv ins Halfter gehängt hat und er es schafft auch jedesmal sein Ileosakralgelenk zu blockieren und dann zum wiederholten Mal der Chiro ran muss ……… so dass wir derzeit noch nicht mal in der Lage sind dauerhauft endlich einen lockeren Schritt und Trab hinzubekommen. Da er im Gallopp unter dem Reiter buckelt und Kreuzgallop springt ist der sowieso erst einmal außen vor.

    Natürlich hatte ich nicht gedacht, dass alles soo lange dauert, aber „so what“ es ist wie es ist und das Ziel ist der Tanz!

    Aber Yesmin ist mein zweites Herzenspferd und er will ja! Es geht halt noch nicht………Er bemüht sich so sehr und will gefallen. Klar hat er auch Temperament und das ist auch gut so…………hätte ich nicht ein sensibles und feines Pferd gewollt, hätte ich mir keinen PRE kaufen dürfen.

    Wir haben beide unsere Vision, was mit unseren Pferden möglich sein wird und gehen diesen Weg unbeirrt weiter. Und manchmal bekommen wir so wie Du bei dem Seminar auch unverhofft Geschenke des Pferdes

    Herzlichst
    Susanne

    • Let´s go working!

      Liebe Susanne,
      ganz herzlichen Dank für deinen – ich darf ‚du‘ schreiben? – schönen und so ausführlichen Kommentar!

      In der Tat, da ähnelt sich unser beider Geschichte doch sehr und ich bin sicher, dass ihr beiden ebenso zusammen wachsen werdet und du eines Tages mit Yesmin tanzen wirst!
      Da bist du ja in den Oliveira Stables in den allerbesten Händen!

      Wie du sicherlich in meinen Beiträgen gelesen hast habe auch ich den Unterricht von Manuel Jorge de Oliveira genießen dürfen.
      Ich bin sicher, dass wir ohne ihn nicht dort wären, wo wir mittlerweile sind. Er war unser Lehrer der ersten Stunden und hat mir und Veneroso die Basis geschaffen, überhaupt mit der Reiterei anfangen zu können.
      Veneroso war damals für mich so gut wie nicht handelbar und dank der guten Tipps von Manuel geht es seitdem stetig voran. In dieser Zeit kam auch Christina Wunderlich regelmäßig zu uns und ergänzte den seltenen Unterricht bei Manuel durch regelmäßigen sehr feinfühligen und wissenserweiternden Unterricht. Sie hat mir wunderbar und anschaulich die Seitengänge vermittelt, von ihr erhielt ich sozusagen meine Grundausbildung.
      Bitte grüße die beiden herzlich von mir!

      Ich wünsche dir viel Erfolg und viele wunderschöne Momente mit deinem PRE und die Erfüllung deines Traumes, mit Yesmin zu tanzen!
      Wer weiß, vielleicht lernen wir uns ja eines Tages auch persönlich kennen – ich würde mich sehr freuen! So weit auseinander scheinen wir ja nicht zu wohnen, wenn ihr euch im Allgäu befindet. Ich wohne in München.

      Herzliche Grüße,
      Claudia

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